20. Mai 2026
Am Mittwochabend, 20. Mai 2026, lud die Gundeldinger Koordination (GuKo) zum Runden Tisch «Tellplatz Lärm» ins Kohlesilo auf dem Gundeldinger Feld ein. Rund 20 Personen nahmen an der Diskussion teil. Vertreterinnen und Vertreter aus Gastronomie, Verwaltung, Quartierarbeit, Polizei und Bevölkerung diskutierten unter der Moderation von Léonie Müller-Haller offen über ein Thema, das viele Menschen im Gundeli bewegt: Wie viel Lebendigkeit verträgt der Tellplatz – und wann wird sie zur Belastung?
Anwesende:
Simone Busch Gastronomin Tell3, Philippe Meyer Anwohner und Liegenschaftsverwalter, Beatrice Isler Quartierexpertin, David Friedmann IGG, Sascha Fässler Co-Leiter Fachstelle Lärm AUE, Stephan Häberle Leiter Gastgewerbebewilligung BVD, Peter Bombardini Quartierpolizist JSD, Daniel Arni Leiter Allmendverwaltung BVD, Marvin Laissue Hauptorganisator Gudneli Fest,Léonie Müller-Haller
Moderation GuKo.
Was ist Lärm?
Bereits in der ersten Gesprächsrunde wurde deutlich, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind. Für den Anwohner und Liegenschaftsverwalter Philippe Meyer ist die Situation belastend: «Der Lärm raubt mir den Schlaf», sagte er direkt. Besonders störend seien die nächtlichen Geräusche rund um die Boulevardgastronomie sowie Nachtschwärmer:Innen, die sich nach Betriebsschluss weiterhin auf dem Platz aufhalten. Auch das Gundeli Fest (2 Tage, Ende August 2025) erwähnte er als starke Belastung: Während der Veranstaltung hätten in seiner Wohnung die Wände gezittert und die Gläser geklirrt.
Demgegenüber standen Stimmen aus dem Quartier, die die Entwicklung des Tellplatzes ausdrücklich begrüssten. «Vom toten Platz zum tollen Platz», lautete ein Votum aus dem Publikum. Die neue Lebendigkeit werde geschätzt, der Platz sei heute ein Treffpunkt und identitätsstiftender Ort im Quartier. Andere bestätigen «Lärm» als grosse Belastung und verstehen die daraus resultierende Not.
Boulevard Tellplatz
Simone Busch vom Restaurant Tell 3 betonte die positive Entwicklung. «Der Platz ist lebendig», sagte sie und verwies darauf, dass sich ihr Betrieb an die geltenden Boulevardzeiten halte. Die Gastronomiebetriebe dürfen in den Sommermonaten ihre Aussenbereiche bis 1 Uhr nachts geöffnet haben – eine Regelung, die politisch gewollt ist. Die Erweiterung der Boulevardflächen am Tellplatz gehe auf einen deutlichen Wunsch aus dem Quartier zurück und wurde damals durch eine Petition unterstützt.
In der Diskussion mit den Behörden zeigte sich, wie komplex das Thema ist. Sascha Fässler von der Fachstelle Lärm erklärte, dass Gastronomielärm kaum objektiv messbar sei. «Lärm ist dann Lärm, sobald er störend ist», sagte er. Lärmempfinden ist also ein subjektives Empfinden. Gleichzeitig basierten die gesetzlichen Regelungen auf Durchschnittswerten und allgemeinen gesellschaftlichen Zumutbarkeiten. Stephan Häberle, Leiter Gastgewerbebewilligungen, verwies auf den zunehmenden Nutzungsdruck im öffentlichen Raum: Der Ansprüche an Plätze und Freiräume in Basel nehme ständig zu.
Philippe Meyer hielt dagegen, dass der Tellplatz «nicht immer so lärmig» gewesen sei. Die Zunahme habe er insbesondere seit der Boulevarderweiterung wahrgenommen. Gleichzeitig wurde mehrfach betont, dass nicht allein die Gastronomie für die Belastung verantwortlich sei. Viele Störungen entstünden erst nach Betriebsschluss durch Gruppen von Nachtschwärmenden im öffentlichen Raum – eine sogenannte «Begleiterscheinung» der Belebung.
Lärm-Monster Gundeli Fest
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war das Gundeli Fest. Peter Bombardini, Quartierpolizist im Gundeli bestätigte, dass nach dem Fest letzten Sommer zahlreiche Beschwerden wegen zu hohen Lärms eingegangen seien. Marvin Laissue, Hauptorganisator des Gundeli Fests, räumte offen ein: «Das Fest war sehr laut.» Gleichzeitig betonte er, dass man sich an die Auflagen der Bewilligung gehalten habe. Anpassungen beim Thema Lärm wolle man künftig jedoch prüfen.
Daniel Arni, Leiter der Allmendverwaltung erklärte die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Veranstaltungen wie das Gundeli Fest würden vorgängig von einer Kommission beurteilt, die Auflagen seien klar geregelt. Beim Fest stehe der Gemeingebrauch beziehungsweise das öffentliche Interesse im Vordergrund. Aus Sicht der Behörden seien zwei Festtage am Tellplatz vertretbar – mehr allerdings nicht.
Verständnis ohne Lösung
Im Verlauf des Abends wurde deutlich, dass Verständnis für die Situation der Anwohnenden, die sich am Lärm vom Tellplatz stören, vorhanden ist. Eine konkrete Lösung präsentierte jedoch niemand. Diskutiert wurden mögliche Ansätze wie Subventionen für bauliche Lärmschutzmassnahmen oder private Sicherheitsdienste zur Beruhigung der nächtlichen Situation auf dem Platz. Beide Ideen wurden jedoch als schwierig umsetzbar eingeschätzt.
Aus dem Publikum kam schliesslich auch die grundsätzliche Frage: «Brauchen wir nicht alle einfach etwas mehr Toleranz?»
Zum Abschluss hielt Léonie Müller-Haller fest, dass der Runde Tisch keine Patentlösung hervorbringen konnte – sehr wohl aber einen wichtigen Austausch ermöglichte. Die direkte Begegnung zwischen Bevölkerung, Verwaltung und Veranstaltenden sei wertvoll gewesen. Im Herbst soll ein weiterer Runder Tisch Tellplatz stattfinden, um eine erste Bilanz der Boulevard-Saison zu ziehen. Anschliessend lud die GuKo zum Apéro und zum informellen Austausch ein – ein ruhiger Ausklang nach einer engagierten Diskussion.