Runder Tisch: «Öffentliche Nutzung von Schulhäusern im Gundeli – Chancen und Konflikte»

Ein Fussballfeld, ein stillgelegter Brunnen, ein paar Klettergeräte und vor allem viel Beton: Das ist der Pausenplatz vom Brunnmattschulhaus. Die einen lieben den futuristischen Bau, den man der Architektur des Brutalismus zuschreibt, die anderen empfinden die graue Anlage als trostlos und wenig kindgerecht

Am Runden Tisch «Öffentliche Nutzung von Schulhäusern im Gundeli – Chancen und Konflikte» initiiert von der Gundeldinger Koordination haben sich Vertretende aller Primarschulhäuser im Gundeli mit Vertretenden vom Erziehungsdepartement Basel-Stadt, dem Sportamt Basel-Stadt sowie Vertretenden der Jugendarbeit und von Vereinen, die Schulhäuser mitbenutzen, unterhalten. Schnell wurde klar: Keiner ist wirklich zufrieden mit der Ausstattung der Schulhöfe im Gundeli. Zuwenig Spielgeräte, zu wenig attraktiv gestaltet, kaum Grünflächen oder kreative Ansätze, so der Tenor. Liest man die Umfrage des Mädchentreffs «Mädona», die die Verantwortlichen mit einer selektiven Gruppe junger Mädchen aus dem Quartier gemacht haben, fehlen auf den Pausenhöfen vor allem (mehr) Schaukeln und Klettergerüste (für ältere Kinder). Die jungen Mädchen geben an, sie würden, wären die Pausenhöfe attraktiver gestaltet, in ihrer Freizeit dort auch mehr Zeit verbringen. Pausenhöfe sind schliesslich auch zum Spielen und sich Aufhalten da. Doch das Ausstatten resp Aufrüsten der Pausenhöfe scheitert vor allem an Budgetengpässen, das betont Andrea Grasser, Leiterin Bau und Anlagen vom Erziehungsdepartement Basel-Stadt immer wieder an diesem Abend. 

Ohne Moos nichts los

An kreativen Ansätzen und Ideen zur Aufbesserung von Schulhofplätzen und Projekten mangelt es nicht. Von allen drei Primarschulhäusern im Gundeli Thierstein, Margarethen und Brunnmatt seien schon einige tolle Ideen entwickelt und konzipiert worden. Die jeweiligen Schulhausleiterinnen erinnern sich an viele Ansätze, die zwar aufwändig waren, aber dennoch bald versandeten und dies stets mit der Begründung des zu engen Budgets seitens Kantons. Dass solche Ideen und Konzepte in der Vergangenheit stets scheiterten, läge tatsächlich nicht am Desinteresse des Kantons, sie hätte gerne ein umfassenderes Budget, betonte Andrea Grasser, aber ihre Budgetanträge würden regelmässig abgelehnt. Und so versiegt der Ideenreichtum in Frust, betont Sara Cortellini, Schulhausleiterin der Thiersteinerschule.

Ein anderes Hindernis für die Entwicklung von Schulhofplätzen sind die strengen Bestimmungen der Denkmalpflege in Basel. Viele Umgestaltungsvorschläge scheitern je nach Gebäude und Platz daran. 

Offene Pausenplätze

Ein Schulhofplatz soll aber nicht nur attraktiv gestaltet, sondern im besten Falle auch so oft es geht zugänglich sein. Die Verantwortlichkeit von Schulhöfen und Schulhäusern ist allerdings meist schwierig abzustecken. Wo beginnt das Privatgrundstück? Wo ist Allmend? Oft gibt es keine ersichtlichen Grenzen oder diese sind schwammig. Aber sollen Pausenhöfe überhaupt öffentlich genutzt werden dürfen ausserhalb der Schulzeiten? In der Theorie klingt dies sinnvoll, könnten Kinder und vor allem Jugendliche die Infrastruktur zur sinnvollen Freizeitgestaltung nutzen. In der Praxis sind es aber Littering, Vandalismus und auch Diebstahl, die dieses Bestreben behindern. Die Jugendlichen würden von einer Öffnung der Schulhöfe wohl profitieren, denn das Terrain ist bekannt und gibt Sicherheit, zudem werden Plätze belebt, sagt Jonas Modrow von der Mobilen Jugendarbeit und fügt an: Man könne die Jugendlichen mehr ins Boot holen um einen Aneignungsprozess zu fördern.  Allerdings stellt Modrow auch klar, dass Nutzungskonflikte entstehen können. Er ist sicher: Schlussendlich braucht es eine klare Regelung und einen politischen Entscheid. 

Offene Schulhäuser

In allen Schulhäusern in Basel sind insbesondere die Turnhallen und die Aulen überbelegt. Viele Vereine, seien es Musik-, Sport-, Kultur- oder Kunstvereine nutzen die Infrastruktur der Schulhäuser. Im Gundeli zum Beispiel ist im Thiersteinerschulhaus die Fasnachtsgesellschaft Gundeli seit vielen Jahren eingemietet, hält in Klassenzimmern Übungsstunden ab und bewirtschaftet im Keller den eigenen Cliquenkeller. Der sogenannte Vereinsabwart kümmert sich um die Vereine in den Schulhäusern in Basel. Das Sportamt Basel-Stadt vermietet die Räumlichkeiten. Nutzungskonflikte gibt es auch hier viele. Angefangen bei der Öffnung und Schliessung des Schulhauses und der Räume. Philippe Haller von der Fasnachtsgesellschaft Gundeli erzählt, dass sie schon Kinder ohne Übungsstunde wieder nach Hause schicken mussten, weil die Räume nicht offen waren. Aus Sicherheitsgründen sei es aber unmöglich den Vereinen Generalschlüssel auszuhändigen, um die Räume in den Schulhäusern auf- und zu zuschliessen. Dieses Problem kennt man nicht nur im Gundeli und wird seit einiger Zeit in Basel flächendeckend angegangen. In Basels Schulhäusern werden neue Schliessanlagen eingerichtet, die die öffentliche Nutzung einfacher machen sollen. Aber auch hier: Die Umsetzung ist sehr teuer und jedes Jahr werden in ganz Basel lediglich zwei Schulhäuser umgerüstet. 

Ferien und Pilotprojekte

Und was ist während der Ferienzeit? Müssen ganze Schulhäuser und – höfe leer bleiben? Diese Frage stellt eine Mutter aus dem Publikum. Sie findet, dass gerade die «eigene» Schule für die Kinder offen sein sollten, damit die Kinder den Weg eigenständig bewältigen können und sich auskennen. In der Ferienzeit übernehmen Tagesstrukturen Angebote in den Schulhäusern. Diese finden aber nicht in allen Schulhäusern statt. Das heisst, die Kinder verbringen das Ferienangebot eventuell in einem fremden Schulhaus. Dies sei auch eine Chance, findet Nataša Pernuš, Schulleiterin Brunnmatt, so können die Kinder andere Schulen kennenlernen und neue Freundschaften knüpfen. Und was wird nun aus den Trostlosen Pausenhöfen? Andrea Grasser gibt leise Hoffnung: Mit einem guten, stichfesten Projekt, wäre der Kanton Basel-Stadt für ein Pilotprojekt vielleicht zu haben. Ob die Pausenhöfe im Gundeli künftig in mehr Grün statt Grau zum Spielen und Verweilen einladen, bleibt also abzuwarten.

Runder Tisch «Öffentliche Nutzung von Schulhäusern im Gundeli – Chancen und Konflikte», 26. Februar 2025

Runder Tisch: «Öffentliche Nutzung von Schulhäusern im Gundeli – Chancen und Konflikte»
Die Gundeldinger Koordination hat am 26. Februar 2025 in den Cliquenkeller der Fasnachtsgesellschaft Gundeli an einen Runden Tisch eingeladen. Das Thema wurde schon oft besprochen und gab viel zu reden: «Öffentliche Nutzung von Schulhäusern im Gundeli – Chancen und Konflikte».Im Untergeschoss des Thiersteinerschulhauses trafen sich Vertretende der Jugendarbeit (Cindy Lolischkies und Angélique Orlando Mädona sowie Jonas Modrow, Mobile Jugendarbeit und seine Begleitung: Sophie, eine Jugendliche aus dem Gundeli),alle Schulhausleitungen der Schulhäuser im Gundeli (Thierstein: Sara Cortellini, Brunnmatt: Nataša Pernuš und Karin Vaneck, Margarethen: Vera Boeniger und Beatrice Thomann), sowie Andrea Grasser, Leiterin Bau und Anlagen vom Erziehungsdepartement Basel-Stadt, Tugba Gül vom Sportamt Basel und Philippe Haller von der Fasnachtsgesellschaft Gundeli.Die Moderation übernahm Léonie Müller-Haller, Geschäftsleiterin der Gundeldinger Koordination.