Das war der Quartieranlass Solothurnerstrasse

Am 18. März 2026 bei Biese und Sonne trafen sich eine grosse Gruppe von Gundelianerinnen und Gundelianer zum Spaziergang entlang der Solothurnerstrasse. Begleitet wurden die rund 50 Teilnehmenden des Quartieranlasses Solothurnerstrasse von Thomas Winter, Gebietskoordinator Gundeldingen vom Tiefbauamt, Bernd Christmann und Sara Rickenbacher von der Stadtgärtnerei, Renato Agosti von der Abteilung Städtebau&Architektur, sowie Architektin und Quartierbewohnerin Barbara Buser. Der Anlass brachte Anwohnende, Fachleute und Interessierte zusammen – auf der Strasse selbst und später im GundeliDräff. Das Ziel war klar: informieren, einordnen, ins Gespräch kommen. Die Entwicklung der Solothurnerstrasse ist nämlich mehr als ein Bauprojekt. Sie ist eine Chance, das Quartier punktuell zu verändern – mit mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität und neuen Freiräumen.

Spaziergang mit Perspektive

Pünktlich um 18 Uhr versammelte sich die Gruppe beim Winkelriedplatz. Moderiert von Léonie Müller-Haller, Geschäftsleiterin der Gundeldinger Koordination, wurde der Rahmen Rund um die Sanierung der Solothurnerstrasse und ihrer Grünflächen gesetzt: Was ist beschlossen? Was wird geprüft? Und was gehört (noch) nicht zum Projekt? Diese Klarheit zog sich konsequent durch den Abend. Bernd Christmann zeigte, welches Potenzial in der Umgestaltung des Winkelriedplatzes steckt: Mehr Aufenthaltsqualität, neue Nutzungen – etwa durch das geplante Café – und eine insgesamt lebendigere Platzsituation. 

Südlicher Zügelbaum

Nächster Stopp und ein besonderer Moment: Der Halt beim noch einzigen Baum der Solothurnerstrasse. Der «Celtis australis», Südlicher Zürgelbaum, steht stellvertretend für das, was Stadtgrün leisten kann – Schatten, Kühlung, Lebensqualität. Thomas Winter vom Tiefbauamt erklärte stolz, dass dieser Baum der erste von geplanten zehn seiner Art an dieser Strassenseite ist. Gerade im Gundeli, das als Hitze-Hotspot gilt und wenig Freiraum bietet, sind solche Elemente mehr als nur Gestaltung: Sie sind Anpassung an ein sich veränderndes Klima.

Begrünung zum Anfassen

Ein echtes Highlight war die Station zur Fassadenbegrünung. Anhand einer bestehenden Glyzinie, einer Kletterrose und einer Clematis zeigte Barbara Buser, wie Begrünung konkret aussehen kann – und was sie bewirkt. Die Glyzinie sei aber nicht ohne, erklärte sie, diese würde stark wuchern und müsse jedes Jahr mit akrobatischen Klettereinlagen zurück geschnitten werden. Dann verwies Buser noch auf ein Bäumchen an der Hausfassade der Solothurnerstrasse 51. Dieses Aprikosenbäumchen sei wild gewachsen. Buser vermutet, dass jemand «von uns» seinen Aprikosenstein irgendeinmal in die Rabatte an der Hausmauer geworfen hat, woraus dann dieses hübsche Bäumchen wuchs.  Busers Appel ist klar und deutlich: Fassadenbegrünung ist keine abstrakte Idee, sondern machbar. Entscheidend ist die Initiative der Eigentümerschaft.

Güterstrasse und «IWB-Park»

Nicht alles konnte oder sollte an diesem Abend vertieft werden. Ein gutes Beispiel: Die Güterstrasse. Die Botschaft war eindeutig – sie ist aktuell nicht Teil des Projekts, ein Planungshorizont liegt in den 2030er-Jahren. Diese klare Abgrenzung half, Erwartungen realistisch zu halten.

Weiter ging es zum zukünftigen «IWB-Park» (beim Heizwerk der IWB), wo erneut Bernd Christmann den neu entstehenden Freiraum für das Quartier vorstellte. Noch sind nicht alle Details sichtbar, doch die Richtung ist klar – mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität, mehr Raum für Begegnung und vor allem viele Bäume. Allerdings wurden an diesem Standort auch kritische Fragen gestellt, etwa wie es mit der befürchteten Verschmutzung aussieht und ob öffentliche WC-Anlagen geplant seien. Da dies nicht der Fall ist, brachten viele Teilnehmenden ihre Sorge zum Ausdruck, dass die künftige Anlage als «öffentliche Toilette» genutzt wird. Leider sei die Planung einer WC-Anlage nicht mehr möglich, so die Verantwortlichen. 

Vom Aussenraum ins Gespräch

Im GundeliDräff ging der Abend in eine zweite, ruhigere Phase über. Eine kompakte Präsentation fasste den Stand des Projektes Solothurnerstrasse zusammen: Werkleitungssanierungen, Strassenerneuerung, Baumpflanzungen – und die Herausforderung, all diese Elemente im dicht bebauten Stadtraum unterzubringen. Dann rückte ein Thema ins Zentrum, das im Quartier grosses Potenzial hat: Fassadenbegrünung. Sara Rickenbacher, zuständig für Fassadenbegrünung bei der Stadtgärtnerei zeigte auf, warum sich diese lohnt:

  • Kühlung durch Schatten und Verdunstung
  • Förderung der Biodiversität
  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Schutz und Aufwertung von Gebäuden

Gerade dort, wo Bäume fehlen, kann Begrünung an der Fassade viel bewirken. Im Zusammenhang mit der Sanierung der Solothurnerstrasse ist das Thema Fassadenbegrünung top aktuell, denn diese ist besonders dann sinnvoll, wenn Synergien genutzt werden. Etwa durch Pflanzgruben, die im Zuge der Bauarbeiten vorbereitet werden können. Denn, wo ein Loch gemacht wird, kann eine Pflanzengrube entstehen. Strassensanierung und Begrünung können so Hand in Hand gehen. Fassadenbegrünung auf Allmend bleibt eine private Verantwortung, benötigt Bewilligungen – wird aber vom Kanton unterstützt, etwa durch Förderbeiträge und Koordination. Zum Schluss der Präsentation ergänzte Barbara Buser mit praktischen Erfahrungen und stimmungsvollen Bildern zur Fassadenbegrünung. 

Beim Apéro klang der Abend aus – mit Gesprächen, neuen Kontakten und der Gelegenheit, individuelle Anliegen direkt anzusprechen. Genau hier zeigte sich der eigentliche Wert des Anlasses: im persönlichen Austausch.