1. Anlass und Teilnehmende
Der Runde Tisch zum Tramnetz 2030 fand im Rahmen der Informations- und Austauschaktivitäten der Gundeldinger Koordination statt. Ziel war es, die geplanten Entwicklungen des Basler Tramnetzes mit Fokus auf die Margarethenverbindung und den Margarethenstich zu erläutern, Fragen aufzunehmen und eine Einschätzung der Auswirkungen auf das Gundeldinger Quartier zu ermöglichen. Der Austausch zwischen Verwaltung und Quartierbewohnenden, sowie interessierten Gästen stand dabei im Fokus.
Anwesend waren unter anderem:
- Adrienne Hungerbühler, Projektleiterin Mobilität
- Dagmar Kruch, Projektleiterin Städtebau und Architektur
- Neele Schrader, Projektleiterin Städtebau und Architektur
- Pascal Bossert, Co-Leiter Stadtraum, Städtebau und Architektur
- Marco Galli, Koordinator Bahnknoten, Tiefbauamt
- Thomas Winter, Projektleiter Tiefbauamt
- Léonie Müller-Haller, Gundeldinger Koordination
- sowie weitere Vertreter:innen der Verwaltung, der BLT und interessierte Quartierbewohnende.

2. Ausgangslage
Das bestehende Basler Tramnetz ist historisch gewachsen und stösst zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. Insbesondere die starke Bündelung vieler Linien durch die Innenstadt führt zu hoher Störanfälligkeit und Verspätungen. Gleichzeitig wächst die Stadt Basel weiter, neue Entwicklungsgebiete entstehen und müssen an den öffentlichen Verkehr angebunden werden.
Vor diesem Hintergrund hat der Kanton Basel-Stadt das strategische Entwicklungsprogramm Tramnetz 2030 erarbeitet. Es verfolgt folgende Hauptziele:
- Steigerung von Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit und Pünktlichkeit
- Entlastung der Innenstadt
- Bessere Erschliessung neuer Wohn- und Arbeitsgebiete
- Unterstützung der Stadt- und Quartierentwicklung

3. Tramnetz 2030 – Überblick
Als erster Umsetzungsschritt sind vier zentrale Projekte vorgesehen, darunter:
- Margarethenverbindung / Margarethenstich
- Tram Claragraben
- Tram Petersgraben
Der Runde Tisch konzentrierte sich schwerpunktmässig aufs Gundeli, das heisst auf die Margarethenverbindung sowie auf die Gleisabzweigung Margarethenstrasse / Güterstrasse.

4. Fokus Margarethenstich und Margarethenverbindung
4.1 Margarethenstich
Der Margarethenstich bezeichnet die neue Gleisverbindung zwischen Margarethenstrasse und Binningerstrasse (sog. „Margarethenstich“). Hauptziel ist eine schnelle und direkte Verbindung vom Leimental zum Bahnhof SBB.
Ein Kernpunkt ist die geplante S-Tram-Linie 17 (S17) der BLT, die ähnlich einer S-Bahn nur einmal pro Ortschaft hält. Dadurch soll sich die Fahrzeit im Leimental um rund zwölf Minuten verkürzen. Die Hoffnung ist, dass dadurch ein relevanter Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Verkehr erfolgt.
Weitere Vorteile:
- Entlastung der stark belasteten Achsen Heuwaage – Aeschenplatz
- Erhöhung der betrieblichen Stabilität des gesamten Netzes
- Reduktion des Autoverkehrs durch das Gundeldinger Quartier
- Die Inbetriebnahme des Margarethenstichs ist für 2030 vorgesehen. Der entsprechende Ratschlag soll im ersten Halbjahr 2026 vorliegen.

4.2 Margarethenverbindung und Gleisabzweigung
- Die Gleisabzweigung an der Margarethenstrasse / Güterstrasse ist insbesondere für den Betrieb während der Sperrungen der Margarethenbrücke zentral. Beim geplanten Neubau der Margarethenbrücke, dessen Baubeginn aktuell für 2034 vorgesehen ist, wird es mindestens zwei längere Sperrphasen geben. Dank der neuen Gleisverbindung können die Abschnitte im Gundeli bei der Pruntrutermatte und Binningen weiterhin mit dem Tram erschlossen werden.
- Im Zuge dieser Planung wird eine Kante der Haltestelle IWB aufgehoben. Langfristig ist vorgesehen, die Haltestelle auf der neuen Margarethenbrücke neu zu organisieren (mit direktem Perronzugang).

5. Betrieb, Technik und Fahrplan
Aus dem Publikum wurden zahlreiche Fragen zum Betrieb der S17 gestellt, insbesondere zur Einhaltung des 7,5-Minuten-Takts und zum Zusammenspiel mit langsameren Linien (z. B. Linie 10).
Die Verwaltung und die BLT führten aus:
- Es sind keine klassischen Überholstrecken geplant, lediglich an einer Stelle eine Doppelspur.
- Entscheidend ist eine stabile und saubere Taktung, die durch die Margarethenverbindung erst möglich wird.
- Modellversuche zeigen, dass der Betrieb grundsätzlich funktioniert.
- Bei Blockierungen bleibt das System jedoch anfällig.
Ergänzend wurde darauf hingewiesen, dass die BLT mit der modernisierten Waldenburgerbahn bereits über ein sehr modernes Zugsicherungssystem verfügt, das teilautomatisches Fahren ermöglicht. Dieses System soll schrittweise auf weitere Teile des BLT-Netzes ausgeweitet werden.

6. Politische, rechtliche und finanzielle Aspekte
Ein zentrales Thema war die politische Umsetzbarkeit:
- Die frühere Ablehnung aus Binningen hat sich deutlich relativiert. Der Gemeinderat unterstützt die Margarethenverbindung heute aktiv.
- Frühere Befürchtungen bezüglich zusätzlichen Staus auf der Binningerstrasse konnten mittels Verkehrssimulationen weitgehend entkräftet werden.
Zur Finanzierung:
- Die Verwaltung erklärte: Das frühere 50/50-Modell ist überholt.
- Neu gilt das Territorialprinzip mit einem Kostenschlüssel von 95 % Basel-Stadt / 5 % Basel-Landschaft.
- Dadurch entfällt im Baselbiet eine Volksabstimmung.
- In Basel-Stadt ist ein Referendum möglich.
- Der Bund beteiligt sich über das Agglomerationsprogramm mit rund 40 % der Gesamtkosten.
Einsprachen sind nicht mehr möglich, da die Baubewilligung bereits vorliegt.
7. Nutzen für Basel-Stadt und das Gundeli
Die Frage, weshalb Basel-Stadt den Hauptteil der Kosten trägt, obwohl insbesondere das Leimental profitiert, wurde intensiv diskutiert. Die Verwaltung argumentierte:
- Auch Basel-Stadt profitiert von kürzeren Reisezeiten ins Leimental.
- Das Gundeldinger Quartier gewinnt durch weniger Durchgangsverkehr.
- Die Entlastung wirkt bis in den Margarethenbereich und Richtung Wettsteinplatz.
- Während Umbauten (z. B. Heuwaage) kann auf einen teuren Ersatzbusbetrieb verzichtet werden (Einsparungen von über 10 Mio. CHF).
Eine konkrete Prognose zur Reduktion des Autoverkehrs liegt noch nicht vor. Der Verlagerungseffekt wurde untersucht, muss jedoch noch durch das Amt für Mobilität konsolidiert werden.
8. Rückmeldungen aus dem Publikum
Die Diskussionen zeigten ein hohes Interesse, aber auch eine gewisse Polarisierung:
- Sorge um Bauzeit, Klimabelastung und Grossprojekte
- Skepsis gegenüber Kosten und Linienlogik
- Gleichzeitig breite Unterstützung für einen konsequenten Ausbau des Tramnetzes
- Wunsch nach besserer Kommunikation und Transparenz

9. Schluss und Apéro
Der Runde Tisch zum Tramnetz 2030 verdeutlichte die strategische Bedeutung der Margarethenverbindung und des Margarethenstichs für die Zukunft des öffentlichen Verkehrs in Basel. Für das Gundeldinger Quartier ergeben sich langfristig Chancen durch eine Entlastung vom Autoverkehr und eine bessere Anbindung. Gleichzeitig bleiben politische Risiken (Referendum), offene Fragen zur Verkehrsverlagerung sowie zur Kommunikation und Akzeptanz bestehen.
Die Gundeldinger Koordination nimmt eine wichtige Rolle als Vermittlerin zwischen Verwaltung, Politik und Quartierbevölkerung ein und wird den weiteren Prozess weiterhin kritisch und konstruktiv begleiten.
Der Anlass endete wiederum mit einem feinen Apéro, der zu weiteren bilateralen Gesprächen einlud und den Abend ausklingen liess.